Diese Frage hat mich die letzten Tage sehr bewegt.

Dem Körper.
Der Familie.
Den Kindern.
Der Beziehung.
Der Wohnung.
Dem Garten.
Meinem Wirken.
Den Menschen.

Und überall das Gefühl:
Eigentlich bräuchte jeder dieser Räume gerade meine volle Aufmerksamkeit.

Allein die Wohnung.

Kennst du das, wenn du eigentlich das Gefühl hast,
es müsste mal alles wirklich gründlich gemacht werden?

Ausmisten.
Ordnung schaffen.
Tiefe Reinigung.

Und stattdessen bleibt immer irgendwo etwas liegen.

Du räumst auf, saugst durch, machst und tust —
und trotzdem bleibt dieses Gefühl von unfertig.

Und ich merke:
Dieses Gefühl zieht sich gerade durch viele Bereiche meines Lebens.

Auch mein Körper.
Eigentlich bräuchte er gerade so viel Aufmerksamkeit.

Schlaf.
Ruhe.
Bewegung.
Gutes Essen.
Wirkliche Fürsorge.

Dann wieder die Kinder.
Oder meine Beziehung.
Oder mein Wirken.

Und plötzlich sind da überall offene Tabs.

Youtube.
Videos.
Kommentare.
Ausschreibungen.
Texte.
Seminare.
Webseiten.
Büro.
Steuer.
Wohnung.
Garten.

Ich bin nicht erschöpft, weil ich zu wenig schaffe.
Ich bin erschöpft, weil meine Lebensenergie überall gleichzeitig hinfließt.

Und vielleicht kennen das gerade viele Frauen.

Dieses Gefühl, allem gerecht werden zu müssen.
Allen.
Und auch sich selbst noch.

Und trotzdem bleibt innerlich oft dieses Gefühl:
Es reicht nicht.
Ich bin nicht genug.
Ich müsste es eigentlich besser hinbekommen.

Die letzten Tage habe ich gemerkt,
wie sehr ich mich nach etwas anderem sehne.

Nach mehr Einfachheit.

Nach schönen klaren Räumen.
Nach mehr Ruhe im Nervensystem.
Nach mehr Verkörperung.
Nach einem Körper, der sich wieder lebendig und gepflegt anfühlt.
Nach einem Alltag, der nicht aus zehn gleichzeitig offenen inneren Räumen besteht.

Und gleichzeitig merke ich auch den Widerstand.

Denn Begrenzungen wirklich anzunehmen,
fühlt sich zuerst manchmal nicht frei an —
sondern wie ein Kompromiss.

Zu akzeptieren:
Ich kann gerade nicht allem gleichzeitig meine volle Aufmerksamkeit geben.

Und genau da beginnt es in mir unangenehm zu werden.

Weil ein Teil in mir immer noch alles möglich machen möchte.
Alles schön.
Alles tief.
Alles gehalten.
Niemand soll zu kurz kommen.

Aber vielleicht liegt die Lösung gar nicht darin,
noch mehr zu schaffen.

Vielleicht liegt sie darin,
die eigene Energie wieder zu sammeln.

Nicht mehr überall gleichzeitig hinzufließen.

Weniger verstreuen.
Mehr verdichten.

Letztes Wochenende habe ich gemerkt,
wie sehr mich dieses „überall gleichzeitig sein“ inzwischen erschöpft.

Wir waren als Familie am Tegernsee.
Ein Ort voller Erinnerungen für mich.

Und gleichzeitig lief gerade die Veröffentlichung eines sehr persönlichen Videos.

Da waren die Kinder.
Der See.
Das gemeinsame Frühstück am Wasser.
Wanderungen.
Almen.
Das Wiedersehen mit alten Orten.

Und gleichzeitig war da Youtube.
Die Kommentare.
Tiefe Nachrichten.
Menschen, die mir schrieben.
Die Ausschreibung fürs Seminar.
Gedanken daran, was ich noch beantworten müsste.

Ich saß plötzlich wieder am Handy.
Mitten auf einer Alm.
Während wir eigentlich gerade als Familie unterwegs waren.

Und ich habe gemerkt:

So möchte ich nicht leben.

Nicht, weil mein Wirken falsch ist.
Nicht, weil die Menschen falsch sind.

Sondern weil mein Nervensystem nicht dafür gemacht ist,
überall gleichzeitig innerlich offen zu bleiben.

Und vielleicht hat mir mein Körper dieses Wochenende sogar deutlicher gezeigt,
als ich es mit dem Kopf verstehen wollte.

Innerhalb kurzer Zeit passierten mehrere kleine Unfälle hintereinander.
Mit dem Fahrrad.
Auf Felsen.
Zwischen all dem Unterwegssein.

Nichts wirklich Schlimmes.
Und gleichzeitig genug,
dass meine Beine heute noch voller blauer Flecken sind.

Und irgendwann wurde mir klar:

Vielleicht darf ich lernen,
wieder ganz in einem Raum zu sein.

Wenn ich mit meiner Familie bin, wirklich dort zu sein.
Wenn ich arbeite, wirklich dort zu sein.
Wenn ich ruhe, wirklich zu ruhen.

Nicht alles gleichzeitig.

Denn vielleicht bedeutet Heilung manchmal nicht,
allem gleichzeitig gerecht zu werden.

Sondern ehrlicher zu werden mit der eigenen Energie.

Weniger verstreuen.
Mehr verdichten.
Mehr Wesentliches.

Und vielleicht ist genau das der Weg:

Von Kompromiss → zu echter Kompetenz.
Von Erschöpfung → zu wahrer Entschlossenheit.
Von Begrenzung → zu einem liebevollen Realismus.

Nicht gegen das Leben.
Sondern endlich mit ihm.