Vielleicht kennst du das:
Du möchtest zur Ruhe kommen – und trotzdem ist da ein ständiges inneres Getriebensein.
Du hast so viel Wissen, Tools und Übungen gesammelt – und doch erwischst du dich immer wieder dabei, reaktiv zu handeln, die leise Stimme deines Herzens zu übergehen oder deinen Wert im Außen zu suchen.
Manchmal fühlt sich alles voller Sinn an – und dann wieder leer.
Dein Kopf gleicht einem Jahrmarkt, und irgendwo zwischen Optimierungsdrang und dem Wunsch, einfach nur zu sein, verlierst du den Zauber des Augenblicks.
Diese scheinbar unterschiedlichen Herausforderungen haben eine gemeinsame Wurzel:
Der direkte Zugang zu deiner eigenen inneren, göttlichen Wahrheit ist verschüttet.
Nicht verloren – nur überlagert.
Und genau hier beginnt der Weg zurück: mit der Rückkehr der weiblichen Qualitäten, die uns wieder in Verbindung mit dieser Wahrheit bringen.
Wie wir von unserer inneren Wahrheit abgeschnitten wurden
Über Jahrhunderte hinweg haben äußere Autoritäten – allen voran religiöse Institutionen – ein Bild vom Göttlichen geschaffen, das außerhalb von uns liegt. Ein ferner Gott, eine höhere Instanz, ein Erlöser, der irgendwann kommt oder schon für uns gehandelt hat. Dieses Bild hat nicht dazu geführt, dass wir das Göttliche in uns selbst erkennen, sondern dass wir es auf etwas im Außen projizieren.
So wurden wir – oft unbemerkt – von unserer eigenen inneren Führung abgeschnitten. Die feine, leise Stimme der Intuition wurde überlagert von einer „fremden Wahrheit“, die nicht aus unserem Herzen kommt, sondern von außen in unser Denken und Fühlen eingepflanzt wurde.
Wenn nur die männlichen Prinzipien dominieren
Weil die weiblichen Qualitäten über lange Zeit unterdrückt wurden, sind die männlichen Prinzipien oft allein zurückgeblieben. Zielgerichtetheit, Disziplin, Fokus, Struktur, Entschlossenheit – alles wertvolle Kräfte, aber ohne das ausgleichende Weibliche verlieren sie ihre Anbindung an die innere Wahrheit.
Dann entsteht eine Spiritualität, die sich stark am Tun orientiert, aber wenig am Fühlen:
- Wir meditieren, um „besser zu werden“ oder Erleuchtung zu erreichen, statt um uns tiefer zu spüren.
- Wir setzen uns Ziele, ohne zu prüfen, ob sie aus unserer Intuition geboren sind.
- Wir optimieren unseren Weg, ohne innezuhalten und das Leben durch uns wirken zu lassen.
In diesem einseitig männlichen Modus suchen wir auch im Außen nach dem Göttlichen – und erschaffen neue Projektionen:
- Wir erheben Gurus, Lehrer oder spirituelle Vorbilder zu „kleinen Göttern“ und machen uns selbst klein daneben.
- Wir glauben, jemand anders sei „weiter“ oder „erleuchteter“ und warten darauf, von dort etwas zu empfangen, statt es in uns zu entdecken.
- Wir halten an inneren Bildern von „höheren Zuständen“ oder „perfekten Meistern“ fest – und merken nicht, dass diese Bilder uns von unserer eigenen göttlichen Wahrheit fernhalten.
So kann selbst eine disziplinierte Praxis leer wirken – wie eine schöne Form ohne Inhalt. Wir fühlen uns getrieben, obwohl wir scheinbar „alles richtig machen“. Der Kopf wird voller, das Herz stiller. Und oft bemerken wir nicht, dass wir damit unbewusst einer fremden Wahrheit dienen, die sich wie unsere eigene anfühlt, aber nicht aus uns stammt.
Die Rückkehr der weiblichen Qualitäten beginnt mit Fühlen
In den Waldgesprächen, die ich anbiete, beginnen wir meistens so:
Wir treten bewusst in Kontakt mit unserer natürlichen Verbindung – zur Mutter Erde unter uns, zur Sonne über uns.
Mit jedem Atemzug erinnern wir uns daran, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind – gehalten, genährt und eingebunden in den großen Lebensfluss.
Von hier aus öffnen wir uns für das Bewusstseinsfeld unseres Hohen Selbst.
Dieser Eintritt geschieht nicht über Anstrengung, sondern über Öffnung.
Es ist, als würde ein innerer Raum weit und still – und in dieser Weite beginnt etwas in uns zu sprechen, das älter ist als jede Angst und jede Konditionierung.
Manchmal jedoch zeigt sich ein anderer Einstieg:
Dann darf der Gedankenstrom erst einmal fließen, während wir gehen.
Worte machen das Innere sichtbar, bringen Unausgesprochenes an die Oberfläche.
Es ist immer intuitiv – der Anfang folgt dem, was sich im Moment zeigen will.
Und egal, wie wir beginnen:
Wir wenden uns nach innen, um zu fühlen – nicht, um zu analysieren oder zu bewerten, sondern um mitfühlend bei unserer eigenen inneren Atmosphäre zu sein.
Mitgefühl in diesem Sinne heißt: den eigenen Emotionen, Empfindungen und inneren Bildern Raum geben, so wie sie sind.
Druck, Traurigkeit, Freude, Unruhe – alles darf fließen, ohne weggedrückt oder festgehalten zu werden.
So entsteht ein innerer Fluss, in dem sich von selbst zeigt, was bereit ist, gesehen zu werden.
Die weiblichen Qualitäten, die daraus erwachen
Erst aus diesem genährten und angebundenen Zustand können die weiblichen Qualitäten in uns erwachen und sich entfalten:
- Intuition – die leise, sichere Stimme, die aus unserem Inneren spricht.
- Empfänglichkeit – die Fähigkeit, ohne Kontrolle Inspiration und Führung aufzunehmen.
- Mitgefühl – ein weiches, annehmendes Dasein mit allem, was in uns und um uns ist.
- Sanftheit – Stärke ohne Härte, Klarheit ohne Kampf.
- Verbundenheit – das Bewusstsein, Teil eines lebendigen Ganzen zu sein.
- Kreativität – das Fließenlassen neuer Formen, Bilder und Lösungen aus unserem Innersten.
- Zyklisches Bewusstsein – in Harmonie mit den natürlichen Rhythmen des Lebens zu leben.
Diese Qualitäten öffnen das Tor zu unserer wahren göttlichen Stimme – einer Wahrheit, die nicht von außen „bestückt“ wird, sondern aus der Tiefe unseres eigenen Seins aufsteigt.
Vom Empfangen ins Verkörpern – die Rolle der männlichen Qualitäten
Doch damit diese Wahrheit nicht nur als zarter Impuls im Herzen bleibt, sondern Gestalt annimmt, braucht es die geheilten männlichen Kräfte in uns.
Auch in den Waldgesprächen geben wir diesem Bewusstseinsprozess Raum:
- Klarheit, um das Erkannte zu benennen.
- Zielgerichtetheit, um es ins Leben zu tragen.
- Entschlossenheit, um auch bei Widerständen standhaft zu bleiben.
- Schutz, um den Raum für das Neue zu wahren – in uns und um uns.
So entsteht ein Zusammenspiel:
Das Weibliche empfängt die Wahrheit.
Das Männliche verkörpert sie in der Welt.
In die eigene Schöpferkraft zurückkehren
Wenn wir die weiblichen Qualitäten wieder in unser Leben einladen, öffnen wir den Raum, in dem die wahre göttliche Stimme sprechen kann – frei von äußeren Projektionen, frei von fremden Wahrheiten.
Aus dieser inneren Verbindung heraus beginnen wir, uns selbst nicht mehr zu verlassen.
Wir handeln nicht länger aus Mangel oder Anpassung, sondern aus der Klarheit dessen, was wir wirklich sind.
Die geheilten männlichen Energien geben dieser Wahrheit Form und Richtung:
Sie machen uns standhaft, wenn Zweifel kommen.
Sie helfen uns, Grenzen zu setzen, unseren Raum zu wahren und unseren Weg zu gehen – auch wenn er nicht dem Mainstream entspricht.
Sie setzen um, was das Weibliche empfangen hat, und bringen es mit Klarheit und Entschlossenheit in die Welt.
In dieser Verbindung von weiblichem Empfangen und männlichem Verkörpern liegt unsere volle Schöpferkraft.
Wir hören auf, Spielball äußerer Mächte zu sein.
Wir beginnen, unser Leben bewusst zu gestalten – in Übereinstimmung mit unserer inneren göttlichen Wahrheit.
Und so erkennen wir, was seit jeher gilt:
Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.
Und der Weg dorthin ist der Weg zurück zu uns selbst.
Vielleicht beginnst du heute – geh hinaus in den Wald … oder schließe einfach nach dem Lesen die Augen und spüre in dich hinein.
Erlaube allem, wie es sich zeigt, einfach da zu sein.
Gib dem Raum, was ist, und lasse dorthin los – ohne etwas tun zu müssen.
Das kann der Anfang einer großen Reise sein: zurück zu dir selbst, zu deinem souveränen, göttlichen Selbst.